Was ist zwischen den Kreisen?
Das Kanizsa-Dreieck besteht aus drei Kreisen mit Ausschnitt. Zeigen die Ausschnitte in passende Richtungen, sieht es so aus, als läge in der Mitte ein weißes Dreieck darüber. Manchmal wirkt die Mitte etwas heller, im Bild ist sie aber so weiß wie die Umgebung.
Schau auf die Mitte zwischen zwei Kreisen, dann kannst du prüfen, dass dort keine schwarze Linie gezeichnet ist. Dass du trotzdem eine Grenze der Form spürst, macht den Reiz dieses Bildes aus.
Als Ganzes gelesen
Das Sehen behandelt getrennte Hinweise nicht nur einzeln, sondern fasst sie zu einer Fläche oder einem Gegenstand zusammen. Liest du die fehlenden Kreise als vom Dreieck verdeckt, lässt sich die Lage der Ausschnitte mit einem einzigen Gegenstand erklären. Du musst eine solche Erklärung aber nicht als vollständige Aufklärung aller Vorgänge im Gehirn nehmen.
Der Unterschied zu Bildern mit echter gemeinsamer Kontur
Bei Vase oder Gesichter gibt es eine echte Grenze zwischen Schwarz und Weiß. Je nachdem, welcher Seite du die Grenze zuordnest, ändert sich die Lesart. Beim Kanizsa-Dreieck dagegen spürst du Grenzen auch an Stellen, die von den Kreisen entfernt sind. Beide haben mit dem Zusammenfassen von Formen zu tun, aber wo die Linie liegt, ist verschieden.
Bei der Poggendorff-Täuschung schätzt du die Fortsetzung einer Linie hinter einem Band ab. Hier geht es darum, einen verdeckten Teil zu erschließen. Wenn du die drei nacheinander ausprobierst, siehst du, dass „Linien lesen“ aus mehreren Vorgängen besteht.
Die gepunktete Linie der Auflösung weglassen und wiederkommen
Die Auflösung auf dieser Seite fügt an der Stelle des wahrgenommenen Dreiecks eine gepunktete Linie hinzu. Vergleiche, ob die Kontur auch nach dem Schließen der gepunkteten Linie noch zu bleiben scheint. Wichtig ist, zur Kontrolle hinzugefügte Linien von dem zu trennen, was von Anfang an gezeichnet war.
Quelle: Erklärung der Kanizsa-Täuschung und Forschungsliteratur von Michael Bach.


